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Freitag, 22 Januar 2016 12:52

CERST-Auftaktveranstaltung in Düsseldorf: Vernetzung vorantreiben

Das Wissenschaftsministerium in NRW hat die Projektunterstützung des neu gegründeten Centrums für Ersatzverfahren zum Tierversuch am Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung in Düsseldorf offiziell auf den Weg gebracht - ein Anlass, der mit einer Auftaktveranstaltung im Haus der Universität gestern begleitet wurde.

In der Podiumsdiskussion eröffnete Moderator, Prof. Dr. med. Jean Krutmann, Wissenschaftlicher Direktor des IUF, es gäbe gute Gründe für den
Tierversuch, es gäbe aber auch gute wissenschaftliche Gründe für Alternativmethoden: Der Mensch sei keine 70-kg-Maus, es gäbe Unterschiede
zwischen den Spezies, daher entwickle das IUF Alternativmethoden zum Tierversuch. Die finanzielle Unterstützung des Landes mit 200.000 Euro
für dieses Jahr wären im Vergleich zu den 3,5 Mio. Drittmittelaufkommen des IUF zwar bescheiden, jedoch weise das Projekt CERST weit über
NRW hinaus.

 

Podiumsdiskussion zur CERST-Auftaktveranstaltung: von Links nach rechts: Prof. Jean Krutmann, Prof. Gilbert Schönfelder, Leiter des
Zentrums zum Schutz von Versuchstieren Bf3R in Berlin, Prof. Ellen Fritsche, Leiterin des CERST, Wissenschaftsministerin Svenja Schulze,
Prof. Horst Spiel, langjähriger Leiter der ZEBET, des Zentrums zur Erfassung und Bewertung von Ersatzverfahren zum Tierversuch.
Foto: Christiane Hohensee

Svenja Schulze (SPD), Wissenschaftsministerin von NRW, erklärte, in der Wissenschaft müse man dicke Bretter bohren, wichtig sei, dass man den
Weg zum Ziel auch tatsächlich gegangen sei. Und sie ergänzte lobend, dass es ohne die Hartnäckigkeit von Martin-Sebastian Abel (Bündnis 90/Grüne)
nicht so schnell vorangegangen wäre. Es sei der Wunsch der Landesregierung, dass sich NRW in das Thema der Entwicklung von Alternativmethoden einbringe, es müsse aber stärker auch mit denen Formerteams aus NRW zusammengearbeitet werden. Man wolle die Vernetzung vorantreiben. Da, wo es möglich sei, solle stärker mit menschlichen Zellen gearbeitet werden. Es sei eine ethische Selbstverständlichkeit, dass dort, wo es ginge, auf Tierversuche verzichtet wird. Und Menschen, die sich ethisch nicht überzeugen ließen, müssten mit Kostengründen überzeugt werden, denn tierversuchsfreie Methoden seien kostengünstiger und zeitsparender.

Das IUF verfügt über jahrelange umfangreiche Erfahrungen in der Entwicklung und Etablierung von Ersatzmethoden zum Tierversuch.
Mit Prof. Dr. med. Ellen Fritsche wird das CERST von einer international anerkannten Forscherin mit hoher Expertise geleitet, die u.a. schon
mehrfach für ihre Arbeiten international ausgezeichnet wurde. Prof. Fritsche forscht u.a. an Fragestellungen zur Entwicklungsneurotoxikologie mit
humanen Neurosphären, die aus induzierten pluripotenten Stammzellen aus menschlichen Hautzellen gewonnen werden.



Ein Team in NRW: Martin-Sebastian Abel (B90/Grüne), Prof. Ellen Fritsche, Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD).
Foto: Christiane Hohensee


Prof. Gilbert Schönfelder, Leiter des neuen Zentrums zum Schutz von Versuchstieren Bf3R beim Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin,
berichtete, dass das Thema Ersatzverfahren zum Tierversuch früher ein Nischenthema gewesen sei, heute sei es en vogue und gesellschaftlich akzeptiert. Auch sei das Interesse der Industrie an diesen neuen Verfahren sehr groß.

Prof. Horst Spielmann, ehemaliger langjähriger Leiter der ZEBET (Zentrum zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden
zum Tierversuch) erklärte, dass es wichtig sei, das CERST finanziell auszustatten.

Prof. Fritsche äußerte den Wunsch, aus der Gründungszelle CERST ein Netzwerk für NRW zu machen, dem sich die Wissenschaftsministerin anschloss.

Die Veranstaltung schloss mit dem Appell, möglichst aus dem Projekt eine dauerhafte Einrichtung zu machen: Das CERST sei nicht nur ein Signal in Richtung Industrie, sondern auch an Universitäten in Hinblick auf die Nachwuchsförderung sowie an den Bund, dieses Projekt zu verstetigen, so Prof. Schönfelder vom Deutschen Zentrum zum Schutz von Versuchstieren am Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin.

Über das CERST:
Für entwicklungsneurotoxikologische Fragestellungen hat Prof. Fritsche mit ihrem Team einen Assay entwickelt, bei dem u.a. die Untersuchung
verschiedenster Nervenzelltypen aus Nervenvorläuferzellen zukünftig teure und sehr aufwändige Versuche mit unzähligen Ratten ersetzten könnten.

2012 wurde im rot-grünen Koalitionsvertrag von NRW die Einführung eines Lehrstuhls für Tierschutz, der tierversuchsfreie Methoden beinhalten sollte
festgeschrieben. Im Dezember 2014 erfüllte Rot-Grün die Zusage aus dem Koalitionsvertrag und legte mit CERST den Grundstein für ein Centrum für
tierversuchsfreie Verfahren in NRW.

Quellen:
http://www.invitrojobs.com/index.php/de/neuigkeiten/news-archiv/item/1842
http://www.invitrojobs.com/index.php/de/neuigkeiten/news-archiv/item/1540
http://www.invitrojobs.com/index.php/de/forschung-methoden/arbeitsgruppe-im-portrait/
http://www1.wdr.de/themen/wissen/mensch/methoden-die-tierversuche-ersetzen-100.html