Artikel bewerten
(0 Stimmen)
Dienstag, 26 Januar 2016 13:24

Autismus und bildgebende Verfahren: Eine neue Spur führt zum Broca-Areal

Forscher des CNRS (französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung), der Universität Aix-Marseille und der staatlichen Krankenhauseinrichtung von Marseille (AP-HM) haben durch MRT-Untersuchungen einen für Autismus typischen speziellen Hirnmarker entdeckt: eine weniger ausgeprägte Falte des Broca-Areals.

Das Broca-Areal ist für Sprache und Kommunikation verantwortlich – Funktionen, die bei Autisten gestört sind. Die bemerkenswerte anatomische Veränderung ist ab dem zweiten Lebensjahr zu finden. Die Forscher beschäftigten sich insbesondere mit dem „sulcal pit“ – dem tiefsten Punkt jeder Hirnfurche und vermaßen sie per MRT.
 
Sie untersuchten Jungen im Alter zwischen 2 und 10 Jahren, die in 3 Gruppen unterteilt waren (Autisten, Kinder mit autistischen Symptomen und Kinder ohne Autismus-Spektrum-Störungen) und stellten fest, dass die Hirnfurche bei autistischen Kindern deutlich geringer ausgeprägt war als bei den beiden anderen Gruppen. Daraus schlussfolgerten sie, dass die Kommunikationsfähigkeiten möglicherweise geringer sind, je flacher die Broca-Furche ausgeprägt ist.

Diese spezifische Anomalie könnte bei autistischen Kindern als Biomarker für Autismus  genutzt werden und so eine frühzeitigere Diagnose ab einem Alter von 2 Jahren zu ermöglichen. Denn bislang wird Autismus hauptsächlich über Beobachtungen und Gespräche mit den Kindern und ihren Eltern festgestellt.

Die Ergebnisse wurden am 12. Januar 2016 in der Fachzeitschrift Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscienes and Neuroimaging veröffentlicht:
Lucile Brun, Guillaume Auzias, Marine Viellard, Nathalie Villeneuve, Nadine Girard, François Poinso, David Da Fonseca & Christine Deruelle (2016):
Localized misfolding within Broca's area as a distinctive feature of autistic disorder. Biological Psychiatry: Cognitive Neurosciences and Neuroimaging.
DOI : 10.1016/j.bpsc.2015.11.003

Quelle:
http://www.wissenschaft-frankreich.de/de/gesundheit/ist-eine-gehirnfalte-fuer-autismus-verantwortlich/