Ziel ist es, eine Roadmap und einen konzeptionellen Rahmen zur schrittweisen Reduktion und dem vollständigen Ersatz des LD50 bei der Chargenprüfung von Botulinumtoxin-Präparaten zu erarbeiten.
Das Vorhaben wird von einer EU-weiten Kampagne der Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) "Stop Botox Animal Testing!“ flankiert, die die Streichung des Mäusetests aus dem Europäischen Arzneibuch und Transparenz hinsichtlich der Anzahl der verwendeten Tiere und des Zwecks der Versuche einfordert. Auch im Vereinigten Königreich sollen bis 2027 Tests zur Wirksamkeit von Botox an Mäusen nicht mehr erlaubt sein.
Jede Charge mit höchstbelastenden Tierversuchen verbunden
Beim LD50-Test (LD - Lethal Dosis) an Mäusen wird jene Dosis einer Substanz ermittelt, bei der 50 Prozent der eingesetzten Versuchstiere sterben. Bekannt ist dieser Test vor allem durch die Qualitätskontrolle von Botulinumtoxin (Botox), bei dem Mäuse das Gift in die Bauchhöhle injiziert bekommen und diese über Tage qualvoll an Atemlähmung ersticken.
Foto: computer-generiert (Gemini).
Da es sich um ein hochwirksames Neurotoxin handelt, muss die biologische Aktivität für jede Charge festgestellt werden. Der klassische LD50-Test an Mäusen zur Bestimmung der biologischen Potenz ist in den Monographien für Botulinumtoxin Typ A (2113) und Typ B (2581) noch immer verankert. Jede Produktcharge wird traditionell so geprüft, weshalb europaweit geschätzt jährlich bis zu 350.000 Mäuse für diese Tests sterben.(1) Genauere Zahlen liegen für den Zweck nicht vor.
Die europäische Medizinagentur (EMA) und die amerikanische FDA (Food and Drug Administration) regulieren Botulinumtoxin-Produkte nicht als Kosmetika, sondern als verschreibungspflichtige biologische Arzneimittel. In Europa gilt die Pharmakopöe (das Arzneibuch). Die Behörden verlangen den Nachweis der biologischen Aktivität für jedes einzelne Produkt. Während früher der LD50-Test an Mäusen Standard war, fordern EMA und BfArM heute den Wechsel auf validierte zellbasierte Alternativmethoden, sobald diese für das jeweilige Produkt zugelassen sind.
Der amerikanische Konzern Allergan hat bereits 2011 von der Food and Drug Administration (FDA) die Zulassung für einen vollständigen, auf Zellen basierenden, in vitro-Test erhalten, mit dem er die Stabilität und Potenz seiner Produkte BOTOX® (Onabotulinumtoxin A) und BOTOX® Cosmetic testen kann. In Deutschland hat im Dezember 2015 das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen zellbasierten Assay zum Ersatz des LD50-Aktivitätstests an Mäusen für bestimmte Arzneimittel mit dem Wirkstoff Botulinumtoxin Typ A des Herstellers Merz zugelassen.(2)
Nach dem Arzneibuch ist die Aktivitätsbestimmung des Toxins in Arzneimitteln vorgeschrieben. Bislang erfolgte diese Aktivitätsbestimmung ausschließlich durch Tierversuche an Mäusen. Aufgrund der hohen Toxizität des Botulinumtoxins muss diese Aktivitätsbestimmung zudem an allen Chargen dieser Arzneimittel erfolgen.
Tierfreie Entwicklungen gab es viele. So erhielt z.B. Prof. Gerhard Püschel vom Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Potsdam im Jahr 2015 den Berliner Tierschutzforschungspreis. Auch andere Forscherinnen und Forscher haben tierfreie Verfahren entwickelt.
Nun sollen im Rahmen der Roadmap wieder Anstrengungen unternommen werden, um alle qualvollen Tests mit Botulinum A und B schrittweise aus den Monografien zu streichen. Für die Mitarbeit an der Arbeitsgruppe werden noch Mitglieder gesucht, um einen Fahrplan für den Ausstieg zu entwickeln. Informationen unter: https://www.edqm.eu/en/join-the-network-
Quellen:
European Directorate for the Quality of Medicines & HealthCare (2026). First rabbits, now mice: the European Pharmacopoeia turns its attention to phasing out the mouse LD50 assay from its monographs on botulinum toxin. 7.8.26. https://www.edqm.eu/en/-/phasing-out-the-mouse-ld50-assay
Hier geht es zur Kampagne:
European Coalition to End Animal Experiments (2026). Stop Botox Animal Testing! https://www.eceae.org/campaigns/stop-botox-animal-testing
(1) Ärzte gegen Tierversuche (2017). Botox-Tierzahlen. Mindestens 350.000 Mäuse allein in Europa. https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/wissen/argumente/stellungnahmen/botox-tierzahlen
(2) Bundesgesundheitsministerium (2016). Botulinum Neurotoxin enthaltende Arzneimittel. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/b/botulinum-neurotoxin-enthaltende-arzneimittel
Dr. rer. nat.
Menschen für Tierrechte - Tierversuchsgegner Rheinland-Pfalz e.V.