Der entschiedene Widerstand gegen höhere Ausgaben seitens des größten Beitragszahlers zum EU-Haushalt lässt Zweifel an den Plänen aufkommen, das Forschungs- und nnovationsprogramm „Horizon Europe“ deutlich auszuweiten, schreibt die Nachrichtenplattform. Ob auch Projekte dadurch berührt werden, die mit tierversuchsfreien Verfahren in zusammenhang stehen, ist noch unklar.
Horizon Europe ist nicht nur ein klassisches Förderprogramm mit derzeit 95,5 Milliarden Euro, sondern das umfassende Forschungs- und Innovationsrahmenprogramm der Europäischen Union. Es verbindet finanzielle Unterstützung mit strategischer Politikgestaltung, internationaler Vernetzung und dem Aufbau von Standards für die Zukunft. Horizon Europe gliedert sich in drei Hauptsäulen und einen übergreifenden Querschnittsbereich.
Die Säule I befasst sich mit „Wissenschaftsexzellenz“, bei der der Europäische Forschungsrat (ERC) zukunftsweisende Spitzen- und Grundlagenforschung für Einzelforschende finanziert. Zudem unterstützen die Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen die Mobilität, Ausbildung und Karriereentwicklung von Forschenden. Der Bereich Forschungsinfrastrukturen soll weltklassefähige Infrastrukturen in Europa aufbauen und vernetzen.
Die Säule II befasst sich mit den globalen Herausforderungen und der europäischen industriellen Wettbewerbsfähigkeit - mit 53 Milliarden am umfangreichsten. Die Mittel verteilen sich auf thematische Bereiche wie Gesundheit, Digitalisierung und Klima, um konkrete gesellschaftliche Probleme zu lösen. Über die Säule II von Horizon Europe werden auch zahlreiche Projekte zu New Approach Methodologies (NAMs) gefördert, allen voran die Initiativen PARC (Partnership for the Assessment of Risks from Chemicals), eine Partnerschaft mit fast 200 Institutionen, die mit 200 Millionen Euro im Rahmen Horizon Europe unterstützt wird und ein tierversuchsfreies Risikobewertungssystem der nächsten Generation (Next-Generation Risk Assessment, NGRA) aufbauen soll. Das ASPIS Cluster ist ein Verbund aus EU-finanzierten Projekten mit einem Volumen von ca. 60 Millionen Euro. Es entwickelt integrierte, tierversuchsfreie Strategien und Testsysteme (u. a. mit zellbasierten Mini-Organen) für die chemische Risikobewertung (RiskHUNT3R), nutzt computergestützte Ansätze und künstliche Intelligenz, um Toxizitätsrisiken ohne Tierversuche vorherzusagen (ONTOX) und erforscht den genbasierten und zellulären Ersatz für Tierversuche in der Toxikologie (PrecisionTox). Es gibt enge Kooperationen mit Behörden wie der ECHA und der EFSA. Ein weitere Programm ist NAMWISE - eine Koordinierungs- und Unterstützungsmaßnahme zur Standardisierung, Validierung und vermehrten regulatorischen Akzeptanz von tierversuchsfreien Methoden.
Säule III „Innovatives Europa“ fördert Start-ups und marktfähige Innovationen über den European Innovation Council (EIC).
Für das kommende Nachfolgeprogramm Framework-Programm 10, 2028–2034 hat die die Europäische Kommission eine Weiterentwicklung vorgeschlagen, die das bisherige Dreiersäulen-Modell zu einer Struktur aus vier Säulen erweitert. Wobei die erste Säule Grundlagenforschung bestehen bleiben soll, die zweite Säule, "Wettbewerbsfähigkeit und Gesellschaft" soll enger mit industriellen Zielen und dem neuen europäischen Wettbewerbsfonds verknüpft werden. Die dritte Säule "Innovation" soll den Transfer in den Markt fördern, unter anderem durch den Ausbau Europäischen Innovationsrats (EIC).
Der bisherige horizontale Querschnittsbereich "Europäischer Forschungsraum" soll zu einer vollwertigen vierten Säule aufgewertet werden. Dafür hatte die Kommission beinahe eine Verdopplung des Etats auf 175 Milliarden vorgeschlagen. Der Rat der Europäischen Union (in dem die Regierungen der Mitgliedstaaten vertreten sind) hat Ende Juni 2026 den Etat in Höhe von 167,9 Milliarden Euro vorgeschlagen. Auch soll mehr nationale Kontrolle und einen Fokus auf Sicherheit und Verteidigung erfolgen.
Der deutsche Bundeskanzler forderte nun, das Gesamtbudget der EU merklich zu straffen. Dies setzt auch das geplante 175-Milliarden-Budget des Forschungsrahmenprogramms (FP10) massiv unter Druck - entgegen den Interessen von Universitäten. Auch lehnt die Bundesregierung Vorschläge aus Brüssel strikt ab, neue Eigenmittel – wie etwa eine harmonisierte Körperschaftssteuer auf EU-Ebene – einzuführen, um Großprojekte oder Forschungstöpfe gegenzufinanzieren.
Quellen:
https://sciencebusiness.net/
https://research-and-innovation.ec.europa.eu/
https://www.zabala.eu/opinions/council-eu-fp10/
https://www.horizont-europa.de/
https://european-research-area.ec.europa.eu/
KOWI European Liaison Office of the German Research Organisation (2026). Factsheet: Überblick zu Europäischen Partnerschaften in Horizon Europe. August 2024, aktualisiert März 2026. https://www.kowi.de/kowi/aktuelles/aktualisiertes-kowi-factsheet-zu-den-horizon-europe-partnerschaften.aspx
https://www.wko.at/
https://www.eu-parc.eu/
https://aspis-cluster.eu/
https://www.ihi.europa.eu/
Dr. rer. nat.
Menschen für Tierrechte - Tierversuchsgegner Rheinland-Pfalz e.V.