Donnerstag, 23 April 2026 12:55

Berlin: Eröffnungsveranstaltung neues Forschungsgebäude Der Simulierte Mensch (SiM) und Berlin Center for Advanced therapies (BeCAT) Empfehlung

Auf einem gemeinsamen Campus in Berlin-Wedding werden die Charité – Universitätsmedizin Berlin und die Technische Universität Berlin zusammen zukünftig an humanen Modellsystemen forschen. In dem neuen Campus werden rund 33 Nachwuchsarbeitsgruppen mit 150 Nachwuchswissenschaftler:innen von Charité und Technischer Universität Berlin gemeinsam wirksame Therapien von bislang als unheilbar geltenden Erkrankungen erforschen und entwickeln.

Mit den Forschungszentren BeCAT und Si-M gemeinsam auf dem Campus Bio- und Medizintechnologie hat die Vision einer zukunftsweisenden medizinischen Forschung zum Wohle der Patient*innen konkrete Formen angenommen. Beide Zentren werden die Entwicklung innovativer Technologien aktiv mitgestalten, heißt es in einer aktuellen Pressebegleitung. SiM steht dabei für Simulation durch Organoide, Organ-on-a-Chip-Technologien und KI, BeCAT für die Translation von der Idee in die medizinische Anwendung.

Sechs Jahre hat es gedauert, bis aus der Baugenehmigung ein fertiges Forschungsgebäude geworden ist. Informiert wurde die Öffentlichkeit damals am 24. Mai 2018 im Roten Rathaus. 

 

Symbolische Eröffnung des neuen Forschungszentrums SiM und BeCAT
Foto: Christiane Hohensee

Gekommen waren die Ministerin für Forschung, Raumfahrt und Technologie, Dorothee Bär, sowie die Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, Dr. Ina Czyborra. Auch der damalige Regierende Bürgermeister Michael Müller, dem damals das Thema Wissenschaft in Berlin eine Herzensangelegenheit war, sowie Steffen Krach, damaliger Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung. Und natürlich der Vorstandsvorsitzender der Charité, Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, die Präsidentin der TU Berlin, Prof. Fatma Deniz, wissenschaftlichen Leiter, Prof. Joachim Spranger, Dekan der Charité, aber auch für Finanzen und Architektur Verantwortliche und vor allem auch die Leiterin des BeCAT, Charité, Prof. Annette Künkele-Langer, Prof. Sina Bartfeld, Sprecherin des Si-M, TU Berlin, sowie Prof. Andreas Thiel, Sprecher des Si-M, Charité.

Bei der Begrüßung sagte Prof. Kroemer, „es handele sich nicht nur um ein Gebäude, sondern um einen großen Entwicklungsschritt für die gesamte Medizin.“ Eine Kooperation sei immer wichtig, mit industriellen Partnern aus dem Gesundheitssystem bei steigenden Anforderungen mit begrenzten Mitteln, hieß es weiter. „Mit SiM und BeCAT werde gezielt in den Standort Berlin investiert. Es erhöht die Sichtbarkeit des Standorts im Bereich innovative Therapien.“
 

 

Beeindruckende Architektur: das neue gemeinsame Forschungsgebäude Der Simulierte Mensch (SiM) und Berlin Center for Advanced therapies (BeCAT).
Foto: Christiane Hohensee


Wissenschaftssenatorin Dr. Ina Czyborra zeigte sich begeistert: „das Gebäude werde den grundlegenden Wandel einleiten, wie wir Medizin denken und zugänglich machen.“ Krankheiten sollen behandelt werden können, die heute noch als unheilbar gelten. Berlin stünde zur 3D-Forschung, um schneller, präziser und verantwortungsvoller zu sein. 82 Millionen Euro wurden insgesamt investiert, davon 34 Millionen durch den Bund und 45 Millionen durch das Land Berlin -  alles Ergebnisse der Standortpolitik der letzten Jahre. Es gäbe auch eine Kooperation mit dem Pharmariesen Bayer – Trotzdem müssten wir resilienter gegen Krisen werden – und dazu gehöre auch die Finanzierung.

Die Präsidentin der Technischen Universität Berlin, Prof. Fatma Deniz, wies darauf hin, dass sich international etwas vom Tierversuch wegbewege, weil Tiere den Menschen nicht genau abbilden könnten und dadurch eine Lücke entstünde. Berlin habe sich in den letzten Jahren zum Standort für Biomedizin und Bioengineering entwickelt.

Die Bundesforschungsministerin Dorothee Bär äußerte, inhaltlich sei sie bei ihren Vorrednerinnen und -rednern. Sie hätten die University Alliance über das Netzwerk der Forschungsinfrastruktur mit 34 Millionen über sieben Jahre gefördert. Deutschland könne Spitzenforschung, Innovation und Hightech.
 



Ministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär.

Foto: Christiane Hohensee

 

Der Campus sei der Inkubator des Fortschritts, sie stünden bei uns mit starkem Fokus auf die Hightech-Agenda. Allerding solle man die Grundlagenforschung nicht kaputtmachen. „Was sie Organoiden planen, ist großartig, Krankheiten unabhängig von Tierversuchen, damit wir das nicht mehr brauchen, wenn das gar nicht mehr notwendig ein wird, da sei sie auch einer Meinung. Durch Hightech gewinne Deutschland mehr Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität im aktuellen Wissenschaftsjahr „Medizin der Zukunft“. „Wir stärken gezielt Schlüsseltechnologien mit unserer Hightech Agenda Deutschland und schaffen die Grundlage dafür, dass medizinischer Fortschritt schneller bei den Menschen ankommt.“


Die Sprecherin Si-M, Prof. Dr. Sina Bartfeld von der TU Berlin, erläuterte: „Tiermodelle bilden den Menschen nicht zuverlässig ab. Viele Krankheiten und -verläufe sind humanspezifisch und individuell. So mache ein Perspektivwechsel Sinn mit Organoiden, menschlichen Immunzellen, der Organ-on-a-Chip-Technologie, die das menschliche Gewebe abbilden als Zugang zu fragen, die man bisher nicht beantworten konnte. Das Ziel sei, die menschliche biologie besser zu verstehen. Dabei müsse immer so komplex wie nötig vorgegangen werden, aber die Prozesse näher am Menschen sein.“

 

 SiM-Sprecherin Prof. Sina Bartfeld.
Foto: Christiane Hohensee


Man will jedoch nicht nur mit Hilfe wissenschaftlicher Erkenntnisse Fakten schaffen, sondern diese auch der Gesellschaft vermitteln und mit dieser kommunizieren. Deshalb gibt es auch ein sogenanntes Theatron geben, einen Vortragsraum in der Mitte des Erdgeschosses für den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit geht natürlich über das SiM und BeCAT hinaus: Forschende zum Beispiel aus der Charité, dem Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), dem Max Delbrück Center (MDC) oder dem Si-M, kommen zum Campus, damit sie gemeinsam Arzneimittel für frühe klinische Studien entwickeln und herstellen, informierte Prof. Annette Künkele-Langer.  Auch internationale Kooperationen wird es geben.

Das Si-M ist zudem Teil der Berliner University Alliance, in der Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technische Universität Berlin und die Charité als Exzellenzverbund kooperieren. Aber auch die Berliner Unternehmen TissUse, eine ehemalige, international sehr erfolgreiche Ausgründung der TU Berlin sowie das Unternehmen Biobricks, spezialisiert auf 3D-Druck von Geweben, waren vertreten.

Die Idee zur gemeinsamen Forschung stammt von Prof. Roland Lauster, Fachgebietsleiter der Medizinischen Biotechnologie der TU Berlin sowie Prof. Andreas Thiel, Leiter der Fachgruppe Regenerative Immunologie und Altern an der Charité Berlin. Das Gebäude ist nun da, die Finanzierung von Forschungsprojekten muss jedoch wie bisher auch immer in erfolgreichen Forschungsanträgen sichergestellt werden.