Dienstag, 16 September 2025 11:02

Mit Retina-Organoiden zum Studium von Behandlungen von Erblindung von Kindern Empfehlung

Einem deutsch-amerikanischen Forschungsteam ist es gelungen, die Wirksamkeit einer Gentherapie gegen ein Symptom der seltenen Kinderdemenz „CLN2 - Batten-Syndrom“ in einem menschlichen Netzhautmodell nachzuweisen – ohne Tierversuche. 


Die neuronale Ceroid-Lipofuszinose Typ 2 (CLN2) ist eine sehr seltene erbliche Kinderdemenz, verursacht durch Mutationen im sogenannten TPP1-Gen. Bereits ab dem Kleinkindalter kommt es zu fortschreitender Degeneration von Gehirn und Netzhaut. Die Fotorezeptoren, also die für das Sehen zuständigen Sinneszellen, sind davon besonders betroffen. Betroffene Kinder erblinden innerhalb weniger Jahre und erreichen ohne Behandlung in der Regel nur ein Alter von acht bis zwölf Jahren. Die bislang verfügbaren Therapien können nur das Fortschreiten einiger Krankheitssymptome verlangsamen, aber es gibt keine Behandlung für den Verlust des Sehvermögens.

Einem Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Kevin Achberger vom Institut für Neuroanatomie & Entwicklungsbiologie und dem Institut für Biomedical Engineering der Eberhard Karls-Universität Tübingen ist es nun gelungen, in einem komplexen Modell der menschlichen Netzhaut die Erkrankung realitätsgetreu zu simulieren: sogenannte Retina-Organoide aus Stammzellen in Kombination mit einem „Retina-on-Chip“-Modell. In diesem In-vitro-Krankheitsmodell wurde nun eine vom amerikanischen Unternehmen Tern Therapeutics mit Sitz in Washington entwickelte Gentherapie (TTX 381) getestet. Dafür kooperierten die ForscherInnen mit WissenschaftlerInnen vom Universitätsklinikum Ulm und des Unternehmens Regenxbio Inc. aus Rockville, Maryland, USA.

Dank dieser präklinischen Ergebnisse konnte eine klinische Studie für Kinder mit CLN2-bedingten Netzhautschäden in England genehmigt werden – und das ohne eine vorherige Testung der Wirksamkeit der Gentherapie an Tiermodellen. Die ersten Zwischenergebnisse der klinischen Studie TTX-381 machen zusätzlich Hoffnung. So gibt es bereits erste Anzeichen, dass durch die Gentherapie eine Stabilisierung und sogar Verbesserung des Sehvermögens bei Patientinnen und Patienten erzielt wurde.

Originalpublikation:
Corti S, Kim KH, Chen T, Botezatu A, Cora V, Ma K, Pashkovskaia N, Bernal Vergara A, Sperlich D, Dave K, Tolone A, Reddinger RM, Tully CB, Higgins M, Kleger A, Breunig M, Lopatta P, Wingerter S, Cipriano M, Bolz S, Ueffing M, Buss N, Loskill P, Liebau S, Achberger K. Recreating pathophysiology of CLN2 disease and demonstrating reversion by TPP1 gene therapy in hiPSC-derived retinal organoids and retina-on-chip. Cell Rep Med. 2025 Aug 19;6(8):102244. doi: 10.1016/j.xcrm.2025.102244. Epub 2025 Jul 23. PMID: 40706588; PMCID: PMC12432371.

Quelle und weitere Informationen:
https://nachrichten.idw-online.de/