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Mittwoch, 19 Juli 2017 17:56

Hirnbotenstoff Dopamin steuert auch die Immunreaktion

Ein europäisches Forscherteam hat mit Hilfe einer Zellkultur aus humanen Tonsillen und Computersimulationen einen Mechanismus entschlüsselt, nachdem das als Hirnbotenstoff bekannte Dopamin über einen Signalweg in den Keimzentren der Lymphknoten einen Einfluss auf die Geschwindigkeit der Signalkaskade in B-Zellen und auf die Menge der zur Verfügung gestellten Antikörper hat. Dieser Zusammenhang zwischen Dopamin und Immunsystem kommt beim Versuchstier Maus nicht vor.

Für ihre Untersuchungen verwendeten die Forscher menschliche Tonsillen (Gaumenmandeln), eine Lymphfollikelansammlung umgeben von Bindegewebe, die häufig nach Entzündungsprozessen entfernt werden.

Beim erworbenen Immunsystem besteht zwischen T-Zellen und B-Zellen eine enge Kooperation in sogenannten Keimzentren der Lymphknoten. Die T-Zellen helfen bei der Optimierung der von den B-Zellen gebildeten Antikörper und machen so die Reaktion auf den Eindringling (Antigen) hoch-spezifisch.

Gemeinsam mit Kollegen aus Australien, Großbritannien und Italien untersuchte Prof. Michael Meyer-Hermann, Leiter der Abteilung System-Immunologie des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und vom Braunschweiger Zentrum für Systembiologie (BRICS), welche Rolle der Botenstoff Dopamin bei diesem Prozess spielt. Sie konnten zeigen, dass Dopamin von den T-Zellen ausgeschüttet wird, wodurch die für die Selektion der optimierten B-Zellen notwendige Signalkaskade innerhalb von nur 30 Minuten abläuft. Bei Mäusen dagegen, die diesen Dopaminweg nicht besitzen, dauert dieser Prozess länger als vier Stunden, schreiben die Wissenschaftler.

Auf der Grundlage ihres mathematischen Simulationsmodells stellten die Wissenschaftler vom HZI fest, dass Dopamin hierbei keinen Einfluss auf den Optimierungsprozess der B-Zellen (Affinitätsreifung) hat. Es fördert jedoch die Menge der produzierten Antikörper.

Originalpublikation:
I. Papa, M. Ponzoni, D. Saliba, P.F. Canete, P. Gonzalez-Figueroa, S. Bustamante, M. Grimbaldeston, R.A. Sweet, H. Vohra, M. Meyer-Hermann, M.L. Dustin, C. Doglioni, C.G. Vinuesa (2017): TFH-derived dopamine accelerates productive T:B synapses in human germinal centers. Nature. http://www.nature.com/nature/journal/v547/n7663/full/nature23013.html

Quelle und weitere Informationen:
http://www.bionity.com/de/news/164112/glueckshormon-dopamin-steuert-immunabwehr.html?WT.mc_id=ca0264
https://www.helmholtz-hzi.de/de/forschung/forschungsschwerpunkte/immunsystem_und_immunabwehr/system_immunologie/m_meyer_hermann/