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Freitag, 10 Juni 2016 09:44

Mit Microkavitäten-Arrays Tierversuche ersetzen

Im neuen Spin-off des Karlsruher Institut für Technologie, 300Micron, sind Forscher in der Lage, Leberzellen ohne Verlust ihrer vollständigen Funktion länger zu kultivieren. Dafür haben die Forscher des 300MICRONS um Prof. Dr. Eric Gottwald, Dr.-Ing. Stefan Giselbrecht und Dr.-Ing. Roman Truckenmüller ein auf Folien basierendes dreidimensionales Zellkulturensystem mit Microvertiefungen ("Microcavity Arrays") entwickelt.

Normalerweise verlieren Leberzellen schon am 5. Tag ihrer Kultivierung fast vollständig ihre metabolische Kapazität. Deshalb ist die Anzucht dieser Zellen z.B. mit dem Ziel, Langzeit-Toxizitätstests durchzuführen, eine Herausforderung. Wie die Entwickler auf ihrer Website berichten, stellen sie den Zellen ein äußeres Stützgerüst zur Verfügung, damit sich sie in einer natürlichen Art und Weise in den Microkavitäten anordnen können. Das Zellsystem bietet eine organotypische Umgebung für die Zellen. Kultiviert in der neuen Technologie halten die Zellen ihre metabolische Funktion nach zwei Monaten noch zu mindestens 50 %.

Das System funktioniert natürlich auch mit anderen Zelltypen u.a. mit induzierten pluripotenten Stammzellen, und hat zum Ziel, Tierversuche im Bereich der Arzneimittel- und Toxizitätstestung, zu ersetzen. Die Folienchips können in Mikrotiterplatten eingebracht werden und die Zelltests vor allem im Hochdurchsatz- beziehungsweise High-Content-Screening-Verfahren durchgeführt werden. Aber auch die Grundlagenforschung könnte von dem neuen System profitieren.

300MICRONS wurde 2015 gegründet, beteiligt sich das KIT und ein Privatinvestor. Es wurde über das Programm „Helmholtz Enterprise“ der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren finanziert. in den kommenden Jahren soll der gesamte Herstellungsprozess vollautomatisiert werden.

Quellen:
http://kit-neuland.de/2015/home/300microns/
http://www.300microns.com/products/