Artikel bewerten
(0 Stimmen)
Freitag, 12 Februar 2016 23:44

CAAT-Wissenschaftler entwickeln "Minigehirne"

Wissenschaftler vom Center of Alternatives to Animal Testing (CAAT) der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health haben kugelförmige Nervenzellgebilde entwickelt, die als in vitro-Systeme bei Tests auf Neurotoxizität verwendet werden können.

Die Gebilde werden aus induzierten pluripotenten Stammzellen entwickelt und weisen alle gängigen Zelltypen wie verschiedene Nervenzelltypen, Astrozyten und Oligodendrozyten aus. Die Kugeln haben einen Durchmesser von rund 350 Mikrometern und entsprechen dem Entwicklungsstadium eines ungefähr zwei Monate altem Fötus. Das besonders ist, dass die Forscher nachweisen konnten, dass die Nervenzellen mit Myelinscheiden umgeben sind und ein elektrophysiologisches Potenzial aufweisen.  

Die induzierten pluripotenten Stammzellen wurden von Hautproben gesunder Probanden gewonnen, es können aber auch Modelle von Patientenproben hergestellt werden, die an Alzheimer, Parkinson oder anderen Erkrankungen leiden, um Grundlagenforschung zu betreiben oder potenziell pharmazeutisch wirksame Substanzen auf ihre Funktion hin zu untersuchen. Durch die elektrophysiologische Messung der kleinen Nervenzellkugeln können zudem die Auswirkungen von Substanzen auf die neurale Aktivität untersucht werden, so Prof. Dr. Dr. Thomas Hartung, Leiter von CAAT in einem Interview mit dem Guardian.

Die amerikanischen Wissenschaftler bezeichnen die Nervenkugeln als Mini-Brains und wollen sie im großen Stil züchten und einsetzen. Dafür haben sie eigens eine Firma unter dem Namen Organome gegründet. Die Herstellung der Nervenzellkugeln und deren Eigenschaften sind standardisiert, die Forscher wollen sich ihr Verfahren patentieren lassen.

Quellen:
http://altweb.jhsph.edu/news/2016/minibrains.html
https://www.theguardian.com/science/2016/feb/12/mini-brains-could-revolutionise-drug-research-and-reduce-animal-use#img-1